Langzeiturlaub statt Wochenendtrips

Langzeiturlaub statt Wochenendtrips

Was ist für den Job zu berücksichtigen?

Die Tage sind dunkler, nass und kalt geworden. Nicht wenige Menschen denken derzeit sehnsüchtig an den Sommer. Vielleicht geht es dir ähnlich und du wünschst dir einen Urlaub in der Sonne. Wer würde nicht gerne drei Wochen oder länger nach Thailand oder Australien fliehen? Doch wie kriegst du einen Langzeiturlaub bei der Arbeit durch? Oder musst du dich mit Wochenendtrips trösten?

Recht auf Urlaub

Langzeiturlaub ist rein rechtlich nicht definiert. Viele Arbeitgeber verstehen darunter einen zeitlich befristeten Ausstieg aus dem Job – beispielsweise in Form eines Sabbaticals. In solchen Fällen scheidet der Arbeitnehmer mehrere Monate oder sogar ein Jahr am Stück aus. Für diese Szenarien existieren spezielle Modelle und Regelungen. Im Folgenden geht es um den „normalen“ Langzeiturlaub. Du möchtest dir drei oder vier Wochen am Stück freinehmen und hierfür deine regulären Urlaubstage einsetzen.

Rein rechtlich ist ein Langzeiturlaub grundsätzlich möglich. Schließlich stehen dir mindestens vier Wochen Jahresurlaub zu. Dein Arbeitgeber darf den entsprechenden Urlaubsantrag jedoch ablehnen, um Schaden vom Betrieb abzuwenden. Diese Gefahr ist relativ einfach zu begründen: Deine Arbeitskraft geht für geraume Zeit verloren. Insbesondere kurzfristig gestellte Anträge auf Langzeiturlaub werden deshalb häufig abgelehnt.

Den Antrag auf Langzeiturlaub angemessen vorbereiten

Wer einen Langzeiturlaub machen möchte, sollte den entsprechenden Antrag so früh wie möglich stellen. Rechtlich muss der Urlaub spätestens 14 Tage vor dem gewünschten Urlaubsstart beantragt werden. Aber schon der Gesetzgeber räumt den Tarifparteien ein, hierfür andere Fristen zu finden.

Eine Faustregel lautet: Pro Woche Urlaub mindestens einen Monat Vorlauf. Möchtest du also drei Wochen am Stück verreisen, solltest du wenigstens drei Monate vorher den Antrag stellen. Rein rechtlich musst du dies nicht schriftlich tun. Bei einem Langzeiturlaub ist dies aber empfehlenswert, weil du dann auch eine schriftliche Genehmigung erhältst und auf der sicheren Seite bist.

Den Antrag auf Langzeiturlaub solltest du vorbereiten – und zwar dadurch, dass du die Fragen beantwortest, die sich dein Chef stellen wird:

  1. Wer wird dich vertreten?
  2. Wie lange ist die Einarbeitungszeit deiner Vertretung?
  3. Lässt sich die Einarbeitung problemlos mit den sonstigen Aufgaben deiner Vertretung kombinieren?

Wenn ihr einen Betriebsrat habt, kann dir dieser bei der Antragstellung helfen. Er muss in das Aufstellen der generellen Urlaubspläne durch den Arbeitgeber eingebunden werden. Der Betriebsrat kann dir deshalb beispielsweise Zeitfenster nennen, in denen dein Antrag auf Langzeiturlaub keine Chance auf Erfolg haben wird, weil die Personaldecke hier ohnehin schon zu dünn ist.

Arbeitgeber sollten Langzeiturlaub gestatten

Manche Vorgesetze stehen einer so langen Abwesenheit sehr kritisch gegenüber. Es gibt jedoch einige Punkte, die durchaus für eine Genehmigung sprechen.

  • Die Mitarbeiterbindung wird gestärkt, dadurch dass der Wunsch erfüllt wird.
  • Der Arbeitnehmer kommt ausgezeichnet erholt zurück.
  • Die allgemeine Zufriedenheit im Betrieb steigt, weil die Arbeitnehmer sehen, dass der Chef auch große Wünsche erfüllen möchte – dazu muss das Ganze natürlich fair ablaufen.
  • Der Aufwand bei gestückeltem Urlaub ist häufig größer als für einen Langzeiturlaub, weil unterschiedliche Vertreter eingearbeitet werden müssen.

Langzeiturlaub: Die relevanten Regelungen des Arbeitsrechts

Rein rechtlich regelt das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) die Möglichkeiten für einen Langzeiturlaub. Hinzu können Sonderregelungen für Jugendliche (Jugendarbeitsschutzgesetz) sowie für Schwerbehinderte (Sozialgesetzbuch) kommen. Grundsätzlich gilt:

  • Du hast ab einer sechsmonatigen ununterbrochenen Tätigkeit einen vollen Urlaubsanspruch für ein Jahr (§ 4BUrlG).
  • Bei einer Fünf-Tage-Woche sind dies mindestens 20 Tage (umgerechnet vier Wochen).
  • Feiertage, Sonntage und generell arbeitsfreie Tage (häufig der Samstag) dürfen nicht auf deine Urlaubstage angerechnet werden.
  • Du musst deinen Urlaubsanspruch beim Arbeitgeber geltend machen.
  • Der Arbeitgeber hat für die Festsetzung deines Urlaubs ein Direktionsrecht.
  • Er darf deinen Urlaub „nach billigem Ermessen“ festsetzen. Dies bedeutet, dass er deinen Urlaub begrenzen oder in einen Zeitraum legen darf, damit möglichst wenig Schaden für das eigene Unternehmen entsteht.
  • Dein Arbeitgeber muss allerdings bei der zeitlichen Festlegung deine Wünsche berücksichtigen.
  • Verweigern darf er dies nur aus zwingenden betrieblichen Gründen oder aufgrund von Urlaubsansprüchen anderer Kollegen, die sozial Vorrang haben (§ 7 Abs. 1(1) BUrlG – gemeint sind vor allem Kollegen mit schulpflichtigen Kindern, die deshalb in den Ferien Urlaub nehmen müssen).

Fazit

Ein Langzeiturlaub ist möglich und kann für alle Seiten von Vorteil sein. Dafür muss er allerdings ausreichend Vorlaufzeit haben, damit Arbeitgeber und Arbeitnehmer ihn einplanen können – durch die Benennung sowie Einarbeitung einer Vertretung oder beispielsweise die Anpassung von Projektzeiträumen. Wenn man Lösungen gefunden hat, wie in der Abwesenheit die anfallende Arbeit erledigt werden kann, dann sollte einem längeren Urlaub nichts im Wege stehen. Aber bitte an die Abwesenheitsnotiz im E-Mail-Account denken. 🙂

Dieser Arbeitslebenartikel ist Teil von „Marcos Recruiting Blog“. Marco Kainhuber ist Geschäftsführer des Software-Unternehmens GermanPersonnel. Wir bieten intelligente, datenbasierte Recruiting-Lösungen. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wenn Sie Fragen zu unserer E-Recruiting-Software PERSY oder Interesse an der Erstellung von Recruiting-Kampagnen haben. Ganz neu in unserem Portfolio ist PARTS für eine programmatische, zielgruppenspezifische und kostenoptimierte Ausspielung von Stellenanzeigen.

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